Hubertus Heil bekommt Unterstützung von der "Super-Nanny" Katharina Saalfrank (Foto: ddp)
Sie ist dafür da, schwerste Familienkonflikte zu lösen. Nun aber bekommt es die Super-Nanny von RTL mit ihrem bislang vielleicht schwierigsten Problemfall zu tun: Katharina Saalfrank soll die in Umfragen am Boden liegende SPD kurz vor der Bundestagswahl wieder aufrichten und ihr zu mehr Profil verhelfen.
Im Fernsehen ist Saalfrank eine Frau, die Eltern und Kindern schlagfertig sagt, wo es lang geht - und dabei nicht nur Autorität, sondern auch Ruhe und Einfühlungsvermögen ausstrahlt.
Kampagne: "Was brauchen unsere Kinder?"
Als SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die 37-Jährige am Montag zum Auftakt der Kampagne "Bildung und Familie: Was brauchen unsere Kinder?" im Willy-Brandt-Haus präsentierte, wirkte die vierfache Mutter jedoch nervös. Immer wieder rieb sie ihre Hände und meinte dann zu den Hauptstadt-Journalisten, sie sei es nicht gewohnt, vor einer so großen Runde zu sprechen. "Also sehen sie es mir nach, wenn nicht alles flüssig kommt."
Gute Einschaltquoten
Bis Ende Juli wird sie in fünf Bundesländern acht Mal zusammen mit Heil unter anderem in Schulen und Kindergärten auftreten, um mit Eltern, Pädagogen und Kindern über Bildung und Erziehung zu diskutieren. Auf diesem Gebiet gilt die attraktive Diplom-Pädagogin als Koryphäe: Seit fünf Jahren nimmt sie sich auf RTL Familien an, in denen nichts mehr zu funktionieren scheint. Nicht nur ihre Therapie ist meist erfolgreich, auch der Sender kann wegen guter Einschaltquoten zufrieden sein. Ein Stück dieses Glanzes soll nun auch auf die Sozialdemokraten abstrahlen, scheinen sich die Parteistrategen gedacht zu haben.
Zum Wählen animieren
Zwar könnte auch die SPD mit ihren zerstritten Parteiflügeln vom rechten Seeheimer Kreis bis zu den Parlamentarischen Linken gut eine Therapie gebrauchen. Die durchzusetzen, wird aber auch Saalfrank nicht schaffen. Vielmehr hat die SPD mit ihr eine in der Politik unverbrauchte Persönlichkeit aufs Parkett geschickt, die vor allem den politikverdrossenen Bürgern bekannt ist - und die damit eventuell sogar zum Wählen animieren könnte. Das würde auch Saalfrank gerne erreichen.
Saalfrank will nicht kandidieren
Wählen sei ja nun auch eine Pflicht, sagte sie. Allerdings - sie selbst kann nicht gewählt werden. Keinesfalls komme für sie eine Karriere in der Politik infrage. "Ich kann mir nicht vorstellen, die Rolle zu wechseln", sagte sie. Und auch dem Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier werde sie keinesfalls angehören. Denn Politik sei für sie etwas sehr Abstraktes. "Ich bin kein Politiker, ich bin ein politischer Mensch."
Beeindruckt von Gerhard Schröder
Seit zwölf Jahren sei sie SPD-Mitglied, erzählte sie. Der damalige Kanzler Gerhard Schröder sei dafür verantwortlich, der habe sie mit seiner Solidarität mit den Schwächeren und der Modernisierung der Gesellschaft beeindruckt. Den derzeitigen SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier kenne sie noch nicht persönlich. "Aber natürlich unterstütze ich auch ihn."
Lob für Familienministerin
Trotz ihrer SPD-Mitgliedschaft ist sie voll des Lobes für Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). "Ich schätze Ursula von der Leyen sehr", sagte die Diplompädagogin. Die Ministerin führe allerdings lediglich die von der SPD angestoßene Familienpolitik fort. "Leider ist sie in der falschen Partei", fügte Saalfrank hinzu.
"Eine wichtige Ratgeberin"
Kennengelernt hatten sich Heil und Saalfrank bereits vor einiger Zeit. Vor ein paar Wochen dann fiel die Entscheidung, dass Saalfrank im Wahlkampf auftreten wird. Es gehe weniger darum, was sie für die SPD tun könne, sondern vielmehr darum, was die SPD für sie tun könne, sagte Saalfrank. Es gehe darum, Eltern zu helfen, aber auch Kindern, die Gewalt ausgesetzt sind. Heil jedenfalls ist glücklich, Saalfrank aus dem Ärmel geschüttelt zu haben. Sie sei eine Frau aus der beruflichen Praxis mit "unglaublicher Kompetenz", habe dazu großes Einfühlungsvermögen und sei in Pädagogik ein absoluter Profi. "Sie ist für mich persönlich und politisch eine wichtige Ratgeberin."