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Müntefering: Lafontaine für SPD-Debakel verantwortlich
14.10.2009, 17:36 Uhr
Erklärungsmuster a la Müntefering: An allem ist nur Lafontaine Schuld (Foto: dpa)
Die SPD befindet sich im freien Fall: Nach dem 23-Prozent-Debakel bei der Bundestagswahl Ende September verliert die Partei in der Wählergunst weiter an Boden. Laut einer neuen Forsa-Umfrage kommen die Sozialdemokraten nur noch auf 20 Prozent, das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage. Damit liegt die SPD nur noch knapp vor der FDP. Die Liberalen konnten sich um zwei Prozentpunkte steigern und liegen demnach mittlerweile bei 16 Prozent.
Die Union verlor einen Prozentpunkt und käme auf 34 Prozent der Wählerstimmen. Die Grünen dagegen legten um einen Punkt auf 11 Prozent zu. Die Linke verharrte gegenüber der Vorwoche bei 13 Prozent. Damit hat Schwarz-Gelb nach der Befragung des Forsa-Instituts eine klare Mehrheit von 50 Prozent.
Müntefering schiebt alles auf Lafontaine
Der scheidende Parteichef
Franz Müntefering sieht in
Oskar Lafontaine den Hauptschuldigen für die vernichtende SPD-Wahlniederlage. "Er hat die Partei verlassen, dann verraten und anschließend ganz gezielt gegen uns organisiert", sagte Müntefering der Wochenzeitung "Die Zeit". Der jetzige Vorsitzende der Linkspartei habe die linke Mitte in Deutschland "aus niederen persönlichen Motiven" beschädigt.
Dennoch Linksbündnis denkbar
Die PDS hätte nach Ansicht Münteferings nie eine Chance gehabt, auch in den West-Ländern aufzutrumpfen, wenn der ehemalige SPD-Vorsitzende Lafontaine dies nicht organisiert hätte. "Deshalb finde ich die Geschwindigkeit mancher, ihm nun Signale zu senden, dass man miteinander könnte, armselig", sagte Müntefering. Trotz dieses Vorbehalts hält der SPD-Chef ein Linksbündnis im Bund prinzipiell für machbar: "Die Kinder und Enkelkinder der SED müssen in der Demokratie ankommen können. Man kann und darf ihnen die Hand entgegenstrecken." Über Koalitionsoptionen solle die SPD aber erst 2013 entscheiden.
"Der Totengräber der SPD"
Als "verbitterten alten Mann" bezeichnete die Linke den scheidenden SPD-Chef Müntefering. "Er ist der Totengräber der SPD. Jetzt will er den anderen die Schuld dafür in die Schuhe schieben", sagte ihr Vize-Vorsitzender Klaus Ernst. Solange Leute wie Müntefering und Fraktionschef
Frank-Walter Steinmeier in der SPD etwas zu sagen hätten, könne es keine Zusammenarbeit im Bund geben.
"Ich bleibe der Partei erhalten"
Müntefering selbst räumte auch eigene Versäumnisse ein. So sei es ein Fehler gewesen, 2004 den Parteivorsitz von Gerhard Schröder übernommen zu haben. "Das hätte ich nicht machen sollen, weil von da an ein Teil der SPD geglaubt hat, Regierung und Partei ließen sich fein säuberlich trennen", sagte er der "Zeit". Müntefering empfahl seiner Partei, sich offensiv zu den vergangenen elf Regierungsjahren zu bekennen. Der 69-Jährige wies in der SPD kursierende Spekulationen zurück, er werde auch auf sein Bundestagsmandat verzichten: "Ich bleibe Abgeordneter - und der Partei erhalten. Immer." Müntefering tritt auf dem Parteitag Mitte November in Dresden nicht mehr an. Sein designierter Nachfolger ist der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel.
Quelle: dpa