Erster zaghafter "Besuch" im Göttinger Wahlbezirk Springmühle (Foto: dpa)
Nach einem Wahlkampf bis in die letzten Stunden haben am Sonntag in Deutschland punkt 8 Uhr die Wahllokale für die Bundestagswahl geöffnet. Rund 62,2 Millionen Bundesbürger können einen neuen Bundestag wählen.
Zudem finden in Brandenburg und Schleswig-Holstein Landtagswahlen statt. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr.
Schleppender Wahlauftakt
In einigen Bundesländern begann die Wahl verhalten: In Niedersachsen gaben bis 10 Uhr 9,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der Wahl 2005 waren es zum gleichen Zeitpunkt 11,1 Prozent. Auch in Bayern lag nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in sechs Städten die Beteiligung meist etwas unter den Werten von 2005. Allerdings wurde eine hohe Zahl von Briefwählern gemeldet. In Hessen lag die Beteiligung am Morgen etwa genauso hoch wie vor vier Jahren. In Hamburg betrug sie laut Landeswahlamt um 11 Uhr 31,8 Prozent. Darin sei eine Briefwahlbeteiligung von geschätzt 20,7 Prozent enthalten.
Amtsinhaberin ist klare Favoritin
Nach den Umfragen hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gute Chancen, im Amt zu bleiben - entweder an der Spitze eines Bündnisses mit der FDP oder in der Wiederauflage einer Großen Koalition. Die SPD mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kann vor allem darauf hoffen, sich wieder als Juniorpartner in ein Bündnis mit der Union zu retten. Alle anderen Koalitionsvarianten gelten als unwahrscheinlich.
Merkel will ausschlafen
Die Kanzlerin will den Wahltag nutzen, um endlich mal wieder auszuschlafen. Es sei aber auch ein bisschen Aufregung da, sagte sie beim Wahlkampfabschluss der CDU in Berlin. "Wenn's Wahllokal öffnet, werde ich wohl aufwachen, obwohl ich ja nichts beeinflussen kann." Am frühen Nachmittag (13 Uhr) will sie in der Mensa der Berliner Humboldt-Universität ihre beiden Kreuze machen - "na ja, und dann sitzt man und wartet, nicht?". Herausforderer Steinmeier wählte bereits am Vormittag mit seiner Frau, Elke Büdenbender, im Berliner Stadtteil Zehlendorf.
Überhangmandate könnten entscheidend sein
Um die rund 600 Sitze im 17. Deutschen Bundestag bewerben sich insgesamt mehr als 3500 Bewerber aus 28 Parteien. Entscheidend könnten die Überhangmandate werden: Im Extremfall könnten Union und FDP selbst 45 Prozent der Stimmen reichen, um eine Mehrheit zu bekommen. Überhangmandate gibt es dann, wenn eine Partei in einem Bundesland direkt in den Wahlkreisen mehr Mandate gewinnt als ihr nach den Zweitstimmen zustehen. Davon könnte diesmal vor allem die CDU profitieren.
Zwei Landtagswahlen
In Brandenburg und Schleswig-Holstein bemühen sich die Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) und Peter Harry Carstensen (CDU) um eine Wiederwahl. In beiden Bundesländern gab es bislang ebenfalls Große Koalitionen. Während die SPD in Brandenburg erneut stärkste Partei werden dürfte, wird in Schleswig-Holstein ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.
Endergebnis in der Nach erwartet
Die ersten Prognosen werden mit Schließung der Wahllokale veröffentlicht. Kurz darauf gibt es die ersten Hochrechnungen. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird dann in der Nacht zum Montag erwartet.