Außenminister Guido Westerwelle: Daran werden sich die Deutschen, wenn's so kommt, erst noch gewöhnen müssen - er sich allerdings auch. Vor allem an die im internationalen Geschäft gebräuchliche Sprache Englisch. Bislang steht er damit eher auf Kriegsfuß, das musste am Tag nach dem FDP-Triumph auch ein Reporter des britischen Senders BBC erfahren, der auf eine höfliche Bitte eine Abfuhr erhielt.
FDP-Chef Westerwelle hat seit der Wahl viel zu lachen - nur von Englisch will der mögliche künftige Außenminister nichts wissen (Foto: dpa)Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg weigerte sich Westerwelle, eine Frage auf Englisch zu beantworten - nicht einmal anhören wollte er sie. "Das ist Deutschland hier", klärte er den Reporter auf. Der hatte eigentlich nur wissen wollen, wie sich die deutsche Außenpolitik unter ihm ändern werde. Diese Frage stellte er auf Englisch und bat darum, ausnahmsweise auch in seiner Muttersprache eine Antwort zu bekommen. Der überrumpelt, hilflos, kalt erwischt wirkende Wahlsieger stutzte: Nein, eine Ausnahme sei nicht möglich. Auch auf eine Nachfrage blieb er hart.
Nach dem hervorragenden Wahlergebnis der FDP erwartet alle Welt, dass der 47-Jährige den Chefposten im Auswärtigen Amt übernimmt. Offiziell ist das noch keine beschlossene Sache. Westerwelle legte auch am Montag Wert darauf, dass über Personalien noch nicht entschieden sei: "Es geht jetzt um die richtige Politik für unser Land und bestimmt nicht um irgendwelche Posten", sagte er immer wieder. Aber klar ist dennoch, dass es nur noch einen gibt, der einen Außenminister Westerwelle verhindern könnte: Westerwelle selbst.
Gründlich vorbereitet
Auf den "Job seines Lebens" - so nannte das die Berliner "taz" - hat sich der einstige Spaßpolitiker jedenfalls gründlich vorbereitet. In den vergangenen zwei Jahren reiste er viel ins Ausland, versuchte sein Englisch zu verbessern, mit dem es bislang nicht zum Besten stand. Zudem holte sich Westerwelle gute Berater an die Seite wie den ehemaligen FDP-Staatsminister im Außenamt, Werner Hoyer. Vor allem aber suchte er engsten Kontakt zu dem Mann, der für viele immer noch die Verkörperung der bundesdeutschen Außenpolitik ist: Hans-Dietrich Genscher.
"Guido Genscher"
In einer Grundsatzrede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) stellte sich Westerwelle ganz in Genschers Tradition. Der Ehrenvorsitzende lobte ihn dafür als "richtigen Mann zur richtigen Zeit". Im Wahlkampf ließen die beiden kaum eine Gelegenheit zum gemeinsamen Auftritt aus. Auch am Sonntag standen sie Seite an Seite. Westerwelle wurde so aufgewertet. Auch wenn er dafür in Kauf nimmt, als "Guido Genscher" verspottet zu werden.
Großer Respekt
Manchmal ist dem FDP-Chef aber doch anzumerken, welchen Respekt er noch vor der Außenpolitik hat. Bei seinem Auftritt vor der DGAP klebte Westerwelle - sonst ein glänzender Redner - am vorbereiteten Text. Trotzdem verhaspelte er sich mehrfach. Am Montag sprach er von einem "neuen Kapitel der Aufrüstung", obwohl er das Gegenteil meinte. Vielleicht wollte er sich auch deswegen nicht auf die Bitte des BBC-Journalisten einlassen.